Unsere Verdauung läuft meistens im Stillen ab. Wir bemerken sie häufig erst dann, wenn Beschwerden auftreten. Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl oder Übelkeit können viele Ursachen haben. Eine davon kann ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür sein.
Doch wie entsteht ein solches Geschwür? Welche Beschwerden können darauf hinweisen – und wie wird es behandelt?
Was passiert in Magen und Zwölffingerdarm?
Im Magen und im Zwölffingerdarm wird die zerkleinerte Nahrung weiter aufbereitet, damit die enthaltenen Nährstoffe später vom Körper aufgenommen werden können.
Zunächst wird die Nahrung im Magen gesammelt und mit Magensaft vermischt. Die Magensäure hilft dabei, mit der Nahrung aufgenommene Krankheitserreger unschädlich zu machen. Gleichzeitig beginnt im Magen die Verdauung von Eiweißen.
Direkt an den Magen schließt sich der Zwölffingerdarm an. Dort trifft der Nahrungsbrei unter anderem auf Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse und auf Gallenflüssigkeit. Bicarbonat trägt dazu bei, die aus dem Magen kommende Säure zu neutralisieren. Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate werden weiter aufgespalten und können anschließend im Dünndarm aufgenommen und verwertet werden.
Wie entsteht ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür?
Magen und Zwölffingerdarm sind im Inneren mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Sie bildet eine wichtige Schutzbarriere gegenüber Magensäure und anderen aggressiven Einflüssen.
Wird diese Schutzfunktion beeinträchtigt, kann die Schleimhaut gereizt und geschädigt werden. Entsteht ein tiefer reichender Defekt der Schleimhaut, spricht man von einem Geschwür, medizinisch Ulkus genannt.
Ein Geschwür im Magen wird als Magenulkus, ein Geschwür im Zwölffingerdarm als Duodenalulkus bezeichnet.
Was sind die häufigsten Ursachen für ein Magengeschwür?
Zu den wichtigsten Ursachen für Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre gehören:
- Helicobacter pylori: Das Bakterium Helicobacter pylori kann die Magenschleimhaut besiedeln und dort eine Entzündung verursachen. Dadurch kann die Entstehung eines Geschwürs begünstigt werden.
- Bestimmte Schmerzmittel: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie beispielsweise Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure können bei entsprechender Anwendung die Schutzmechanismen der Magenschleimhaut beeinträchtigen. Sie hemmen unter anderem die Bildung bestimmter Prostaglandine. Diese körpereigenen Botenstoffe spielen eine wichtige Rolle beim Schutz der Schleimhaut.
Auch Rauchen kann das Risiko für die Entstehung eines Geschwürs erhöhen und dessen Abheilung beeinträchtigen.
Alkohol, Kaffee oder bestimmte Speisen können bei empfindlichen Menschen Magenbeschwerden verstärken. Sie gelten jedoch nicht als typische alleinige Ursache eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs.
Das akute Stressulkus tritt vor allem nach größeren Operationen, bei gleichzeitiger Verletzung mehrerer Organsysteme (Polytraumata), Sepsis, Schock, akutem Leber- oder Nierenversagen auf. Als Ursache wird eine verminderte Durchblutung der Schleimhäute im Magen- und Zwölffingerdarm sowie eine verstärkte Produktion von Magensäure infolge der verstärkten körperlichen Belastung angesehen.
Welche Symptome kann ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür verursachen?
Mögliche Beschwerden sind:
- Schmerzen oder Brennen im Oberbauch
- Völlegefühl
- Übelkeit oder Erbrechen
- Appetitlosigkeit
- saures Aufstoßen oder Sodbrennen
Die Beschwerden können abhängig von der Lage des Geschwürs auch im Zusammenhang mit Mahlzeiten auftreten. Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre lassen sich anhand der Beschwerden allein jedoch nicht sicher voneinander unterscheiden.
Manche Geschwüre verursachen zunächst sogar kaum oder keine Beschwerden.
Vorsicht bei Anzeichen einer Blutung
Schwarzer, teerartiger Stuhl oder blutiges beziehungsweise kaffeesatzartiges Erbrechen können auf eine Blutung im Magen-Darm-Trakt hinweisen. Solche Beschwerden müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden.
Wiederholte oder länger andauernde Blutungen können außerdem zu einer Blutarmut (Anämie) führen. Mögliche Folgen sind Müdigkeit, Leistungsabfall, Blässe oder Kurzatmigkeit.
Warum sollte ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür behandelt werden?
Ein Geschwür kann nicht nur unangenehme Beschwerden verursachen, sondern auch zu Komplikationen führen.
Dazu gehören insbesondere Blutungen. In seltenen schweren Fällen kann ein Geschwür die Magen- oder Darmwand durchbrechen.
Anhaltende, wiederkehrende oder stärkere Beschwerden im Oberbauch sollten deshalb ärztlich abgeklärt werden.
Wie wird ein Magengeschwür diagnostiziert?
Eine wichtige Untersuchungsmethode ist die Magenspiegelung (Gastroskopie).
Dabei wird ein dünnes, flexibles Endoskop über den Mund und die Speiseröhre bis in den Magen und Zwölffingerdarm geführt. Die Ärztin oder der Arzt kann dadurch die Schleimhaut direkt beurteilen und bei Bedarf Gewebeproben entnehmen.
Die Untersuchung kann je nach medizinischer Situation und Wunsch unter Sedierung durchgeführt werden.
Zusätzlich kann untersucht werden, ob eine Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt.
Wie werden Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre behandelt?
Die Behandlung richtet sich insbesondere nach der Ursache des Geschwürs.
Behandlung von Helicobacter pylori: Liegt eine Infektion mit Helicobacter pylori vor, wird diese mit einer geeigneten Kombination verschiedener Arzneimittel behandelt.
Säurehemmende Arzneimittel: Protonenpumpenhemmer (PPI) reduzieren die Bildung von Magensäure. Dadurch wird die geschädigte Schleimhaut weniger stark der Säure ausgesetzt und kann abheilen.
Wie lange diese Arzneimittel angewendet werden sollten, richtet sich nach der Erkrankung, ihrer Ursache und dem individuellen Behandlungsverlauf.
Bei einer längerfristigen Einnahme können unerwünschte Wirkungen auftreten. Deshalb sollte insbesondere eine länger dauernde Anwendung ärztlich begleitet und regelmäßig überprüft werden.
Schutz der geschädigten Schleimhaut mit Sucralfat: Sucralfat wirkt lokal im Magen-Darm-Trakt. Es lagert sich an geschädigte Bereiche der Schleimhaut an und bildet dort eine schützende Barriere gegenüber aggressiven Einflüssen wie Magensäure und Verdauungsenzymen. Dadurch wird die geschädigte Schleimhaut während des Heilungsprozesses geschützt.
Welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, hängt von der Ursache, Art und Ausprägung der Erkrankung sowie möglichen Begleiterkrankungen und weiteren Arzneimitteln ab.
Bei anhaltenden oder stärkeren Beschwerden sollte deshalb immer ärztlicher Rat eingeholt werden.



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